J

Sieht ziemlich verlassen aus, dieses J.
Überhaupt gehört es zu den vernachlässigten Buchstaben im Alphabet.
Oft wird es bei Aufzählungen überschlagen, da es sich leicht mit dem I verwechseln lässt.

Seit kurzem ziert es nun das Schild zu unserem Sitzungsraum, der vorher Raum 220 war.
Damit hatte er eine Ausnahmestellung im ganzen Haus. Denn alle anderen Sitzungsräume werden mit Buchstaben benannt.

Das Laju tanzt nun nicht mehr aus, sondern brav zurück in die Reihe.

Ich gestehe, ich bin ein Bewahrer. 220 klingt irgendwie nach mehr als ein schnödes J.
In den letzten Tagen bin ich häufiger daran vorbeigelaufen. Und jedes Mal krampfte sich mir das Herz zusammen vor Mitleid. Armes, einsames J!
Schließlich konnte ich es nicht länger ertragen. Das J brauchte Gesellschaft.
So habe ich gestern ein „ürgen“ dahintergeklebt.

Sieht viel besser aus.

Wir treffen uns bei Jürgen klingt irgendwie prägnanter. „Jürgen-Julia“ passte leider nicht. Zu wenig Platz. Aber um nicht einseitig zu werden, kann aus Jürgen irgendwann Julia werden.
Und auch sonst bieten sich noch jede Menge Möglichkeiten: Wir treffen uns im Juli oder auf dem Jahrmarkt. Wir tagen in Jerusalem, in Japan oder Jesteburg, im Januar, im  Juni und auch am Jangtsekiang.

Wenn die Verwaltung mich machen lässt, wird mir noch allerhand einfallen.

Jarantiert

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