Lebenslust

Die Sonne ist vor einigen Minuten untergegangen. Allmählich leeren sich die Wege. Ich wandere ins Abendrot hinein.  Über dem Fluss hängt Rauch. Jemand hat ein Feuer gemacht. Es brennt weit sichtbar auf der Wiese. Hinter mir steht der Mond, beinahe vollständig gerundet. Die ersten Sterne blinken auf.
Vom Westschnellweg dringt nur dünnes Rauschen. Der Verkehr hat sichtbar abgenommen.
Ich überquere die kleine Brücke. Unter ihr fließt die Leine, bewegt sich träge, übergossen von Mondlicht.

Eine Amsel singt, ein paar Gänse ziehen südwärts. Ihr Rufen hört sich für mich immer an wie die laut gewordene Sehnsucht und schlägt in mir eine besondere Seite an.
Die Dämmerung fällt nun rascher, noch einmal leuchtet der Himmel. Ich bin allein.
Und dann, mit einem mal, ich weiß nicht wie, setze ich mich in Bewegung und beginne zu laufen. Ich renne! Die Füße fliegen über den Schotter. Ich fühle mich wie zwölf, angetrieben von einer Welle aus Glück, die mich einfach forttreibt, in diesen stillen, schimmernden Abend hinein.

Ich laufe nicht lange, denn mir geht ziemlich schnell die Puste aus. Aber dieses Glücksgefühl! Es glüht noch, als ich zu Hause ankomme.     

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