Regen

Warum heißt es eigentlich „den Rasen sprengen“?

Ich stelle mir gerade vor, wie überall in den Gärten kleine Detonationen zu hören sind, weil der Rasen vermint wurde. Grasbrocken fliegen durch die Luft und lassen das Herz eines Unordnungsfanatikers, wie ich einer bin, höher schlagen.

Aber es bleibt ruhig, nirgends stehen Warnschilder: „Achtung Rasensprengung! Explosionsgefahr!“

Der Rasen ist mir egal. Bislang zeigt er sich in tiefem Grün, auch ohne Bewässerung. Anders verhält es sich mit meinen Saaten, die gerade beginnen aufzulaufen (noch so ein lustiges Wortspiel. Man denkt doch gleich an Fußballmannschaften). Jeden Tag muss gewässert werden, sonst sind vier Wochen Mühe und Geduld für die Katz gewesen.

Nun zeigen sich erste Erfolge. Vorsichtig wagen sich winzige Pflänzchen aus dem Boden.  Sie erhalten Sonnenschein en masse und auch schon mehr Wärme, als im April normalerweise üblich. Aber jeden Tag muss ich die Pumpe anwerfen und den beginnenden Blumenurwald mit Wasser versorgen.

Selbst wenn ich dürfte, könnte ich momentan nicht weg. Ich bin an meinen Garten gefesselt.

Seit zwei Tagen ist Regen angekündigt, der nicht fällt; der unsere Region seit Wochen ausgelassen hat. Während ich das schreibe, überzieht sich das Pflaster mit einer dunkleren Tönung. Doch mehr als ein paar dürftige Tropfen werden nicht spendiert.

Das erinnert mich daran, dass wir nicht nur mit einem Problem zu kämpfen haben. Der Klimawandel macht keine Pause.  

Wer meint, wir könnten unser Wirtschaftssystem einfach reaktivieren und dann wäre alles gut, irrt gewaltig. Für eine gewisse Zeit wird uns nichts anderes übrig bleiben, aber dann…
Es geht um einen Sinneswandel  im Angesicht des Klimawandels. Die gegenwärtige Lage zeigt, wie schwierig ein Umbau ist, soll er gerecht und sozial und klimafreundlich sein und dann auch noch die Demokratie sichern.
Wie das gehen kann, beschäftigt mich sehr.

Wir werden viele Ideen ausbrüten müssen, praxisnahe und weiterführende.
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wird ein wichtiges Feld sein. Wir brauchen ihre Ideen.
Ein Zukunftsplan lässt sich nur im engen Austausch mit denen entwickeln , die diese Zukunft auch noch erleben werden.
In Norwegen hat sich die Ministerpräsidentin schon in den ersten Corona-Wochen von den Kindern und Jugendlichen ihres Landes beraten lassen.
Immerhin ein Anfang. Und hier? In der Politik, in den Kirchen?

Wieder kein Regen. Die Wolkendecke wird löchrig. Der Nachbar, der seinen Rasen mit der Nagelschere bearbeitet, ist schon wieder am Werk.
Ich habe Lust, den Rasen zu sprengen.

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