Sätze, die helfen.

Es gibt Sätze, die mich einfach überrennen, ohne dass ich mich dagegen wehren kann. Sie treffen mich und schließen etwas in mir auf, das vorher im Dunkeln lag.

„Gott ist mein Spendierer“, ist so ein Satz. Er stammt aus der Recherchearbeit zu unserer Ausstellung „Eine Vorstellung von Gott.“ Geschrieben hat ihn eine Siebzehnjährige, deren Text voller Zerrissenheiten steckt, bis sie schließlich zu dieser Aussage gelangt.

Es gibt anderes: Gedichtzeilen,  Blitzlichter aus Psalmen, Jesusworte, profane Geschichten, in denen sich ein Rohdiamant verbirgt.
Zur Zeit ist es das Zitat eines italienischen Autors, das in einem fremden Roman auftaucht.
Vielleicht hätte es mich zu einem anderen Zeitpunkt gar nicht so berührt. Aber jetzt wurde ich voll erwischt!

„Es ist schön zu leben, weil leben anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.“

Ich liebe diesen Satz für seine Liebeserklärung ans Leben.
Ich liebe ihn für seine Haltung. Dieser Blick nach vorne, immer neugierig auf das, was da kommt, bereit, sich überraschen zu lassen.
Ich liebe diesen Satz für seine Weisheit. Nicht bewahren, sondern gegenwärtig sein. Kein Bedauern, dass etwas vorbei ist. Empfänglich sein für Neues.
„Wer die Hand an den Pflug legt und schaut zurück…“

Aber nun wird es verwirrend!
Wie gerne würde ich unterschlagen, was bald nach dieser Liebeserklärung folgte!

Der Mann, der diesen Satz geschrieben hat, nahm sich das Leben.

Spricht damit nicht alles gegen seine Worte? Widerlegt sein Freitod nicht  diese hellsichtige Einsicht?   
Manchmal ist unser Wissen größer als wir selbst. Manchmal mag es den Schreibenden weniger nützen als den Lesenden.

Wir bleiben gefährdet. Wir können uns verfehlen, wir können uns aufgeben. Alles möglich.
Doch im Zerbrechlichen zeigt sich eine tiefere Qualität, und was verlorengehen kann, enthüllt gerade darin seinen unwiederbringlichen Wert.

Und darum: lebt! Fangt an, immer, in jedem Augenblick.
Übrigens: Wir müssen uns nicht allein abmühen.

Gott bleibt unser Spendierer.  

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