Talente

Der Spruch war als Scherz gedacht:  „Ich dachte, du kannst nichts, aber du kannst ja gar nichts!“ Mein Kumpel lachte, weil mir gerade eine Schale Pommes aus der Hand gerutscht und auf die Erde geknallt war. Ich musste auch lachen. War ja auch zu blöd.
Und doch ging mir dieser Satz eine ganze Weile nach. Ich merke, das piekt richtig, diese Vorstellung, dass mich jemand für völlig unfähig halten könnte.
Natürlich weiß ich, dass ein solches Urteil schlicht falsch wäre, und doch frage ich mich: was kann ich eigentlich? Was kann ich gut? Was geht mir nicht so gut von der Hand? Welches Talent hat mir Gott in den Schoß gelegt, aber noch viel wichtiger: Weiß ich selbst davon und nutze ich dieses Talent?

Im Lukasevangelium lesen wir im 12. Kapitel:  „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“
Klingt nach noch mehr Druck, aber Druck von wem?
Am ehesten von mir selbst. Weil ich gut sein will in so vielen Dingen. Ich möchte mithalten können. Möchte gerne, dass mich alle mögen und viel von mir halten.
Davon redet die Bibel hier aber nicht. Es geht vielmehr um die Freude am Leben und Dankbarkeit für das, was uns in aller Begrenztheit ausmacht und einmalig sein lässt: Die Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden. Gutes zu tun. Verzeihen üben. Freundlichkeit erweisen. Gottes Wirken in unserem Leben sichtbar werden zu lassen. Seine Hände sein, die anpacken. Sein Ohr sein, dass zuhört. Über sich selbst auch mal lachen können. Fehlerfreundlich sein.
Das sind Talente, die wir großzügig vermehren sollten in dieser Welt. Nicht allein. Mit Gottes Hilfe, der uns zuzwinkert:

Ich dachte du kannst was, aber du kannst ja alles!

Klaas Grensemann, Kloster Bursfelde

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