Vorwarnung: das wird ein langer Artikel – ist aber wichtig!

Corona comes back! Die Fallzahlen steigen, überall. Eine zweite Welle droht.
Und dann?
Alles wieder auf Start? Kinder und Jugendliche zurück in den elterlichen Raum?

Nein, so wie beim ersten Mal darf es nicht wieder werden!

Verschiedene Vertreter aus Kirche und Gesellschaft haben sich Gedanken gemacht und eine Initiative Niedersächsischer Ethikrat gegründet. Ihr gehören an: Diverse Kirchenleute aus den beiden großen Kirchen, darunter unser Landesbischof Ralf Meister, die Präsidentin der Ärztekammer und Professoren verschiedener Fachbereiche.

Eine hochkarätige Besetzung also, die vielleicht etwas in Gang setzen kann in den politischen Entscheidungsfindungen. Sie alle eint die Überzeugung, dass bei dem nächsten Ausbruch nicht wieder über die Köpfe der Bürger*innen entschieden werden darf. Bedeutende  gesellschaftliche Gruppen der Gesellschaft sind in die Entscheidungsprozess einzubeziehen.

Der für uns wichtigste Beitrag stammt von Jürgen Manemann, Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover. Sein Blick richtet sich auf Kinder und Jugendliche – und das nicht nur im Hinblick auf Schule und Bildung.

In einem fünfseitigen Papier Mehr Perspektiven für junge Menschen in der Corona-Krise schlägt er vor, partizipative Verfahren stärker in den Blick zu rücken und ethische Perspektiven politischen Handelns für Niedersachsen aufzuzeigen. 
Es scheint so, als wäre das, was wir seit langem fordern, plötzlich in den klugen Köpfen angekommen.

Besser spät als nie!

Nun liegt es an uns Beruflichen, an der Evangelischen Jugend, der aejn sowie dem Landesjugendring, den Gesprächsfaden aufzunehmen und möglichst viele junge Menschen zu aktivieren. Man darf die Erwachsenen jetzt nicht allein machen lassen!

Die 5 Kernthemen des Papiers sowie eine Auswahl der sie begleitenden Fragen:

  1. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind nicht nur Adressaten staatlicher Maßnahmen, sondern aktiv zu beteiligende Mitglieder der Gesellschaft.
     Wie kann die Partizipation der Betroffenen in der jungen Alterskohorte und ihre Teilhabe am politischen Prozess besser realisiert werden? Welche schon bestehenden Initiativen können dafür fruchtbar gemacht werden?
  2. Die Lebens-, Entwicklungs-und Bildungschancen von jungen Menschen müssen deutlich verbessert werden.
    Wie können junge Menschen bessere Chancen auf ein eigenes soziales Leben erhalten und wie kann ihnen mehr Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht werden?
  3. Die in der Krise über die Maßen geforderten Familien brauchen mehr Unterstützung und Entlastung.
    Kann „die Familie“ angesichts der vielfältigen Familienformen und der Teilhabe an außerfamiliären Bildungs-und Lebensprozessen wirklich den Rückhalt bieten und geben, der ihr abgefordert und zugemutet wird?
  4. Ein tendenziell stigmatisierendes Verständnis von Risiko und Risikogruppen muss überwunden werden.
    Wie kann ein inklusives Vorgehen aussehen und Stigmatisierung verhindert werden?  Mit welchen Maßnahmen kann jenseits von Verboten für risikoarmes Verhalten geworben werden?
  5. Verantwortung muss stärker gemeinsam getragen werden.   
    Die Fragen lauten: Wie kann auf allen Ebenen gemeinsam Verantwortung geschultert werden, so dass an die Stelle von Aussagen wie: „Das geht aber nicht! Das könnte gefährlich werden“, Fragen treten können wie: „Was kann gehen? Was braucht ihr dafür? Wie bekommen wir das gemeinsam hin?“

Hoffen wir mal, dass die Initiative kein Elite-Zirkel bleibt, sondern dass es gelingt, zumindest die organisierten Gruppierungen von Jugendlichen einzubinden, ihnen zuzuhören und sie wirklich mitbestimmen zu lassen.
Ob das geschieht, liegt auch in unserer Hand.

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