Was ist mit der Zukunft los?

Ach, die Zukunft hat auch schon bessere Tage erlebt. Früher war es entschieden leichter mit ihr. Da galten noch Sätze wie: Heute ist das Morgen, über das du dich gestern aufgeregt hast.

Aber so einfach ist das nicht mehr.

Zum Glück gibt es die EKD (ich meine nicht die Lebensmittelkette. Die heißt ja EDEKA). Die hat sich jetzt der Zukunft angenommen, nicht insgesamt, sondern mit Blick auf die Kirche.
11 Leitsätze hat sie formuliert – auf 15 Seiten. Thomas Mann wird sich vor Neid im Grabe herumdrehen.  Da werden die Leitsätze für Lesende rasch zu Leidsätzen (Tut mir leid, der Kalauer musste sein), zumal über die Sprache auch eine kräftige Seenebelbank getrieben ist.

Doch im Ernst. Ich möchte euch das Ganze in Kürze übersetzen, lutherisch derb. Ein knapper Kommentar wird jeweils angefügt.

1. Thema Öffentlichkeit: Zukünftig wird die Kirche bei gesellschaftlichen Prozessen weitestgehend die Fresse halten.
Kommentar: Klar – wo Kirche gesellschaftlich auch so überpräsent ist, entfaltet Schweigen eine besondere Wirkung.

2. Thema Frömmigkeit: Fromm ist, wer was weiß und das an die Ahnungslosen weitergibt.
Kommentar: Ein bißchen viel Kopf – dafür wenig Herz und keine Haltung.

3. Thema Mission:  Es soll wirklich geredet werden mit den Menschen da draußen im Lande.
Kommentar: Ob die Leute aus dem EKD-Raumschiff das hinkriegen, wo sie doch so bürgernah formulieren können?

4. Thema Ökumene: Wenn ihr Katholen uns gut findet, dann finden wir Evangelen euch auch gut. Wir wollen viel gemeinsam und viel ohne die machen, äh, also wie immer eigentlich.
Kommentar: Von den Katholiken lernen, heißt verlieren lernen. Gerade hat der Papst ein Papier unterzeichnet, das die Leitung von Gemeinden durch Laien untersagt.   

5. Thema Digitalisierung: Den guten alten Gemeindebrief kannste vergessen. Gut ist, was gesummt, Entschuldigung, gezoomt werden kann.  Und irgendwie kommt dann noch Analoges dazu, so dass wir beides verrühren können.
Kommentar: Das Medium ist die Message. Aber wir haben doch schon eine.

6. Thema Kirchenentwicklung: Es wird bunter und unübersichtlicher.  Zitat: Unverbunden agierende, selbstbezügliche Institutionen und Arbeitsbereiche auf allen kirchlichen Ebenen werden aufgegeben.
Kommentar: Hört, hört! Die EKD will sich selbst abschaffen.

7. Thema Zugehörigkeit: Scheißegal, ob du Mitglied bist oder nicht – Hauptsache, du kommst mal vorbei und machst mit.
Kommentar: Wenn das man nicht in die Hose geht und sich die letzten Mitglieder auch noch verabschieden, wo man doch alles umsonst haben kann.

8. Thema Mitarbeitende: Unser Personal ist kacke und muss unbedingt geschult werden. Ehrenamtliche können auch was, ja, eigentlich mindestens so viel wie unsere schrottigen Beruflichen.  
Kommentar: Gegen neoliberales Denken scheint es EKD-intern noch immer keinen Impfstoff zu geben.

9. Thema Leitung: Genug gelitten! Leitung soll nicht leiten, sondern Rahmen klöppeln, nach innen viel reden und nach außen den großen Profilmax markieren.
Kommentar: Am Ende sehnt man sich doch nach einem Papst, und wenn man den schon nicht kriegen kann, dann wenigstens nach einer Margotkäßmann.

10. Thema Strukturen: Der verfetteten Verwaltung geht es jetzt an den Kragen, die muss schlanker werden. Und die steifgewordenen Gemeinden kriegen einen Yoga-Kurs verpasst, so dass sie mit jedem neuen gesellschaftlichen Trend mithalten können.
Kommentar: Lustig, dass ausgerechnet die EKD von zu viel Verwaltung spricht.

11. Thema EKD/Landeskirchen:  Wir machen unseren Traum jetzt wahr! Die EKD an die Macht!
Kommentar: Ich hätte da einen ganz anderen Vorschlag, mit dem sich sehr viel Geld einsparen ließe.

Übrigens, ist es euch aufgefallen?
In den Leitsätzen findet sich nicht ein Satz zu Kindern und Jugendlichen, und das beim Thema Zukunft.
Ich glaube, die Zukunft hasst Leute, die ihr vorschreiben wollen, wo es langgeht und zugleich noch heimlich davon träumen, sie in den Griff zu bekommen.

So ist nur Folgendes noch zu bemerken:

Zum Glück entdeckte die Zukunft gerade noch rechtzeitig, was man mit ihr vorhatte, und entschwand aus den Hallen der EKD und nahm die Gegenwart gleich mit. So war die EKD von einem auf den anderen Tag Vergangenheit.  

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