Was online alles möglich ist! Theatertreffen sprengt die Grenzen.

Huiii, und schon ist es wieder vorbei!
Das 39. Theatertreffen trotzte Corona und lieferte eine digitale Performance ab, wie ich sie noch nicht erlebt habe.
Zwei Tage Feuerwerk, ab 12.00 Uhr, zwei Tage Feierwerk bis tief in die Nacht (01.00 Uhr und länger). Ich habe insgesamt 26 Stunden vor dem Laptop zugebracht, ohne Nebenwirkungen, Augenflimmern oder Kopfschmerzen. Die Zeit verging wie im Fluge.

In diesem TT-digital war ganz viel echtes TT. Der Funken sprang rasend schnell über. Dreiundfünfzig Theaterverrückte waren dabei, und niemand ist abgesprungen! Wow!

In meinem Reisesegen habe ich gesagt, das TT ist ein Gegenentwurf zu den schlimmen Dingen, die in der Welt geschehen (gerade war das Capitol in den USA gestürmt worden, angestachelt von Schandpräsident Trump).
Wir haben dem Coronavirus gezeigt, dass es keine Chance hat gegen das TT-Virus, dessen Infektionssymptome Mut, Phantasie, Gemeinschaft, Freude und Neugier sind, Vertrauen, Liebe, Akzeptanz, Spaß.

All das werden wir brauchen für die kommenden Monate und nicht nur dafür.
Danke an alle, die dabei waren. Und allen anderen wünsche ich: lasst euch anstecken vom TT-V!
Wolfgang Blaffert

Krippenspiele in Coronazeiten

Unglaublich, wie viele tolle Ideen es gibt, um auch in Zeiten der Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln Krippenspiele zu ermöglichen! Als Video, Stationenweg oder großes Lagerfeuer, open air, als Hörspiel, Liveübertragung, inklusiv oder bei Instagram. Das Presse-Team der hannoverschen Landeskirche stellt gerade eine Übersicht zusammen, was wo läuft. Ist Euer Angebot schon dabei?

Krippenspiele in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Kein Lockdown für die Jugendarbeit

Kommentar von Landesjugendpastorin Cornelia Dassler zur Situation Jugendlicher und der Evangelischen Jugendarbeit

Erneut fährt das öffentliche Leben herunter. Kinder und Jugendliche müssen oder dürfen oder brauchen nicht mehr zur Schule zu gehen und müssen erneut ihren Alltag, ihre sozialen Kontakte anders organisieren – wenn sie denn die Möglichkeiten dazu haben. Inzwischen wissen wir, dass Jugendliche unterschiedlich gut mit dieser Situation zurechtkommen, abhängig von ihrem Alter und den sozialen Rahmungen.
Allzu leicht gerät aus dem Blick, dass junge Menschen nur abhängig von Erlaubnissen und gewährten Ressourcen – wie etwa Räumen – die Kernaufgaben ihres Heranwachsens bewältigen können. Die ihnen gesellschaftlich abverlangten Leistungen der Selbstpositionierung, Qualifizierung und Verselbständigung brauchen eigene Erfahrungsräume. Ohne diese kann es nicht angemessen gelingen, sozial und beruflich handlungsfähig zu werden und Verantwortungsübernahme zu erproben. Stattdessen bleiben Fragen offen: Wo gehöre ich hin? Wo finde ich mich wieder, wenn ich mich überwiegend allein zurechtfinden muss?

Kinder und Jugendliche brauchen soziale Räume

Die erste Auswertung einer neue Studie der Jugendforschung (JuCo 2) hält als einen wesentlichen Punkt fest: „Das Wegfallen von sozialen Räumen mit den Peers verändert den Jugendalltag grundlegend. Es nimmt den jungen Menschen auch alltägliche Bewältigungsmöglichkeiten, die für den psychosozialen Ausgleich in dieser Lebensphase zentral sind.“
Auf die Frage, warum Jugendarbeit und Kirche Dinge anbieten dürfen, die nach sonstigen Regeln schwierig oder untersagt sind, gibt es unser Meinung nach eine klare Antwort: Gerade weil formale Bildung an Schulen, Hochschulen usw. nur eingeschränkt oder rein digital stattfinden kann und darf, sind andere soziale Räume der Begegnung wie die der nonformalen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wesentlich für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen.
Als zweiten wesentlichen Punkt hält die JuCo 2 fest: „Erwachsene stehen in der Verantwortung, den jungen Menschen Räume zu schaffen und in den Dialog zu treten, um mit den jungen Menschen Jugend 2021 zu gestalten.“ Das sollten wir aus der Jugendarbeit umsetzen und allen jungen Menschen, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einmal mehr Räume eröffnen, Angebote machen und die Ressourcen verstärken.

Zustimmung und Belastung widersprechen sich nicht

Eine große Mehrheit der jungen Menschen begrüßen die Einschränkungen. Das zeigen Daten der neuesten Forsa-Umfrage. Gleichzeitig macht das Bundesjugendkuratorium in einem Zwischenruf vom 15. Dezember darauf aufmerksam: Viele Jugendliche blicken mit Angst und Sorge in die Zukunft.
Die Zustimmung einerseits und die zunehmenden Anzeichen von Belastung andererseits  sind kein Widerspruch. Gerade weil Jugendliche die Einschränkungen akzeptieren, wirken sie sich auf ihr Befinden aus und fördern entsprechende Syndrome wie eine inzwischen festgestellte erhöhte Quote von Depressionen. Obwohl Kinder und Jugendliche mit der Situation umgehen und sich ihr in gewisser Weise gewachsen zeigen, müssen wir dennoch das riskante Potenzial sehen und entsprechend handeln. Es gilt, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen wahrzunehmen und nicht irgendwann später einmal auf nachgewiesene Defizite zu reagieren.

Situation in den Kreisjugenddiensten

Seelsorge ist wichtiger denn je. Das berichten Kirchenkreisjugendwart*innen aus der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers diese Woche in einer Videokonferenz mit Landesbischof Ralf Meister. Die Kontakte zu den kirchlichen Mitarbeitenden werden mehr als früher für seelsorgliche Gespräche genutzt.
Deutlich sichtbar ist die Sorge um die Zukunft. Die Frage nach persönlichen Plänen, ein FSJ, eine Ausbildung, der Beginn eines neuen Abschnitts an der Schule oder Hochschule zeigt überall große Unsicherheit. Auch die Planungen der Jugendarbeit beinhalten Fragezeichen und gestalten sich landeskirchenweit unterschiedlich. Manche für nächsten Sommer geplanten Maßnahmen sind bereits ausgebucht, in anderen Regionen ist Zurückhaltung bei den Anmeldungen spürbar. Die Frage, was möglich sein wird, steht im Raum.

Gemeinsam Hoffnung leben

Mit den Ambivalenzen in dieser Zeit umzugehen, ist für alle schwierig. In den Herausforderungen liegt aber auch die Chance, den diakonischen und seelsorglichen Auftrag in der Jugendarbeit intensiv zu erfahren und neu zu entdecken. Wir können gemeinsam mit den Jugendlichen Hoffnung leben und diese verbreiten. Dazu gehört es, die Unsicherheiten gemeinsam auszuhalten. Darin wird der tiefe Sinn von christlicher Gemeinschaft neu spürbar und der Wert all dessen, was gemeinsam möglich ist. Gemeinsam statt allein – genau das macht den Wert der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus.

Weiterführende Links

„JuCo 2“ – Studie vom Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ der Universitäten Hildesheim und Frankfurt

epd-Bericht zur Forsa-Umfrage

Zwischenruf des Bundesjugendkuratoriums

Soul Play – Online-Tutorials für dein Instrument!

Musikschulen sind dicht, die privaten Musiklehrer dürfen keinen Präsenzunterricht mehr geben. Trotzdem kannst Du weiterhin musizieren: Mit Soul Play hat die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers für Dich ein attraktives und umfangreiches Onlinetool im Angebot. Ob Piano, Gitarre, Bass oder Schlagzeug – für jedes dieser Instrumente gibt es detaillierte Lehrvideos nebst Begleitmaterial sowie spezielle Inhalte wie Bandarbeit (Song-Cafe), Timing workouts oder drum tuning. Und das Beste daran: Egal ob Du Einsteiger oder schon fortgeschritten bist, als Nutzer*in aus unserer Landeskirche bist Du kostenlos dabei!
Wer direkt loslegen möchte, kann sich unter www.soul-play.de mit dem Registrierungscode 827934 direkt anmelden.

„InsSpiriert“

Hannovers Jugendkirche wird neuer Co-Working Space

In der Jugendkirche in Hannover gibt es einen neuen Co-Working Space. An zwei Tagen in der Woche werden Stromkabel verlegt und Möbel bereitgestellt, damit sich die Besucher in der Kirche einen Arbeitsplatz einrichten können. „InsSpiriert“ nennt das Team rund um Daniela Klockgether ihr Angebot. „Wir wollen, dass die Menschen zu uns kommen und inspiriert wieder gehen“, sagt die Diakonin. Von ihr stammt die ursprüngliche Idee. „Ich finde es sinnvoll, den Raum zu nutzen, wenn er gerade nicht gebraucht wird.“ Mittlerweile gibt es neben der Diakonin ein 9-köpfiges Team aus Jugendlichen, die sich ehrenamtlich um den Co-Working Space kümmern.

Die 21jährige Vivian Vollmann Tinoco unterstützt den neuen Co-Working Space. Bild: Regula Jantos

„Wir wollen einen Raum schaffen für Menschen, denen es im Homeoffice zu einsam wird. Hier finden sie Austausch mit anderen“, erklärt Vivian Vollmann Tinoco aus dem Co-Working Team. Auch bei Studenten wächst der Bedarf an Arbeitsraum mit frei zugänglichem Wlan, seit die Universitäts-Bibliotheken ihr Angebot coronabedingt eingeschränkt haben. Doch der Raum sei nicht nur offen für Menschen, die am Computer arbeiten, betont Vollmann Tinoco. Jeder, der mit maximal einer Tischbreite auskommt, sei willkommen. Für Gruppen bis zu sechs Personen gibt es zwei separate Räume. Im Pausenbereich stehen Kaffee und Getränke gegen eine Spende bereit. Das Mobiliar können sich die Besucher selber zusammenstellen, es gibt Tische, Stühle und Hocker. Seinen Platz wählt jeder frei im Kirchenraum. Wer eine Pause braucht, kann sich mit einem Sitzsack hinter einen Vorhang zurückziehen. „Beim ersten Videocall war es schon merkwürdig mit den Buntglasfenstern im Hintergrund“, berichtet Vollmann Tinoco. Mittlerweile fühlt sich die PR-Studentin aus Hannover in der Jugendkirche wie zuhause. Ein Plus sieht die 21jährige darin, dass jetzt auch Menschen hereinkommen, die mit Kirche Berührungsängste haben oder mit Religion nicht viel anfangen können. „Die Jugendkirche war vorher schon gut im Stadtteil integriert. Jetzt bietet sich die Möglichkeit, den sakralen Raum weiter zu öffnen und zusätzlich urbane Bedürfnisse zu erfüllen.“

Das Co-Working Angebot ist kostenfrei. Wer möchte, kann einen freiwilligen Beitrag zum Wlan leisten. Dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr ist die Kirche als gemeinschaftlicher Arbeitsplatz geöffnet. Und es gibt bereits Pläne für Erweiterungen: „Wir denken über verschiedene Afterwork-Angebote nach“, verrät Vivian Vollmann Tinoco. „Nach der Arbeit noch gemeinsam zusammensitzen, quatschen, sich austauschen – das würde sicher gut ankommen.“ Zurzeit gibt es bereits an jedem ersten Dienstag im Monat einen Afterwork-Gottesdienst.

Mehr Infos: InsSpiriert

Nicht mit zweierlei Maß messen

Torben Salm beim Hearing der Initiative niedersächsischer Ethikrat zur Situation junger Menschen

Sie wollen die ethische Seite der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Maßnahmen beleuchten: die Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE). Außerdem wollen sie Sprachrohr für diejenigen in der Gesellschaft sein, die von der Politik oft nicht gehört werden. Eine der ersten Gruppen, die die INE in den Blick genommen haben, ist die der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In verschiedenen Anhörungen haben die Mitglieder der Initiative mit Menschen aus Schule, Jugend- und Sozialverbänden gesprochen. Sie wollten wissen, was die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen für Jugendliche bedeuten. Torben Salm, stellverstretender Vorsitzender der Evangelischen Jugend in der hannoverschen Landeskirche, hat an einem Hearing teilgenommen.

Frage: Mitte September veranstaltete die Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE) mehrere Anhörungen mit Protagonisten aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Warum hat die INE Deiner Meinung nach die Evangelische Jugend dazu eingeladen?
In der Vergangenheit hat sich die Evangelische Jugend oft in Kirche und Gesellschaft engagiert. Dadurch haben wir Aufmerksamkeit gewonnen. Das jugendpolitische Netzwerk, an dem wir kontinuierlich arbeiten, spielt uns ebenfalls in die Karten. Ich denke auch, dass junge Menschen in unserer Gesellschaft oft unterrepräsentiert sind und der Ethikrat sich somit folgerichtig dafür entschieden hat, diese nun besonders anzuhören. Stephan Schaede, Mitglied des Ethikrats und Direktor der Evangelischen Akademie Loccum, hat an uns gedacht und uns dann eingeladen.

Frage: Welches sind die wichtigsten Punkte, die der Jugendverband Evangelische Jugend in die Diskussion um die Corona-Maßnahmen einbringt?
Junge Menschen sind mehr als Schüler*innen. Es ging bei den Maßnahmen und den dazugehörigen Diskussionen oft nur um diese eine Rolle. Das empfinde ich als zutiefst ungerecht. Sie verlieren unwiederbringliche Momente in ihren Leben, die man nicht an späterer Stelle nachholen kann. Darüber wird in der öffentlichen Diskussion kaum gesprochen.
Nach dem Lockdown wurden schrittweise die Dinge wieder möglich, die wirtschaftlich umfangreicher sind. Beispielsweise konnten kommerzielle Reiseanbieter wieder Fahrten anbieten, Wochen bevor das in der Jugendarbeit überhaupt möglich war. Noch dazu mangelte es bei denen oft an Hygienekonzepten und Vernunft. Und das war möglich, weil die Reiseanbieter eine finanziell gut aufgestockte Lobby besitzen. Aber: Systemrelevanz kann man nicht mit Wirtschaftsbilanz gleichsetzen.

Frage: Für zukünftige landespolitische Planungen rund um Corona: Was würdest Du Dir wünschen, was stärker beachtet werden soll?
Dass menschliche Freiheiten zum Wohle aller eingeschränkt werden, ist natürlich verantwortbar. Doch man sollte hier nicht mit zweierlei Maß messen. Ganz gleich ob Chor, Jugendgruppe, Fußballmannschaft oder Frauenkreis – die Ansteckungsgefahr und die daraus resultierenden Abstands- und Hygieneregeln müssen für alle gleich gelten. Wo mehrere Maßstäbe jedoch dringend erforderlich sind, ist bei der Förderung von Einzelnen in der Gesellschaft. Bei finanziellen Unterstützungen fallen viele Menschen oft durchs System. Viele Schüler*innen aus benachteiligten Haushalten brauchen dringend kostenfreie Möglichkeiten Lerninhalte nachzuholen, da vielen keine Geräte für die Onlinelehre zur Verfügung gestanden haben. Zudem sollten unterschiedliche Experten vor Einführung neuer Maßnahmen auf möglicherweise auftretende Sondereffekte befragt werden, hier gab es in den letzten Monaten klare Versäumnisse.

Insgesamt zum Prozess kann ich sagen: Die Initiative Niedersächsischer Ethikrat halte ich für ein wichtiges Gremium in der Krisenbewältigung und ich bin froh über die erfolgte und die noch folgende Zusammenarbeit.

Die Initiative Niedersächsischer Ethikrat setzt sich aus Wissenschaftler*innen, Ärzt*innen und Vertreter*innen aus Kirche, Diakonie und Caritas zusammen. Gründungsmitglied ist unter anderem Landesbischof Ralf Meister. Die Initiative wurde Mitte des Jahres gegründet, um politische Entscheidungen bezogen auf die Corona-Pandemie sozialethisch zu hinterfragen und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Dabei konzentrieren sich die Mitglieder vor allem auf das Land Niedersachsen.
Die Stellungnahme der INE zu Perspektiven junger Menschen in der Corona-Krise gibt es hier: Download

Jugendarbeit in Corona-Zeiten

Sprengel-Jugendkonvent diskutiert mit Eike Holsten und Hans Christian Brandy

Bild: Michael Hinrichs

Über die Lage der Jugendarbeit in Corona-Zeiten diskutierten am vergangenen Freitag die Mitglieder des Sprengel-Jugendkonventes Stade mit dem Landtagsabgeordneten Eike Holsten (Rotenburg/Wümme) sowie Regionalbischof Dr. Hans Christian Brandy. Unter Leitung von Rike Schröder (Osterholz-Scharmbeck) tauschten sich die Jugenddelegierten zusammen mit den Hauptamtlichen des Sprengeljugenddienstes über die Erfahrungen des Corona-Sommers 2020 aus.

„Wir mussten leider die Sommerfreizeiten absagen“, so Rike Schröder, „dafür gab es aber zahlreiche kleinere Formate vor Ort, die auch gut angenommen wurden.“ Erprobt werde derzeit, die Ausbildung jugendlicher Mitarbeitender in einem Hybrid-System neben Präsenzveranstaltungen auch online durchzuführen.

Für das Gespräch über die Lage der Jugendarbeit hatten die Jugendlichen einen Fragekatalog vorbereitet, zu dem Eike Holsten und Hans Christian Brandy Stellung nahmen. Dabei ging es neben der Unterstützung und Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit von Jugendlichen, auch um die finanzielle Förderung der Jugendarbeit und um den Klimaschutz. Regionalbischof Brandy benannte eine Reihe von Maßnahmen der Landeskirche zum Klimaschutz, ermutigte die Jugendlichen aber auch, weiter klare Erwartungen an die Kirche zu richten.

Eike Holsten kündigte an, wichtige Fragen an die niedersächsische Politik mitzunehmen in eine soeben eingesetzte Enquetekommission des Landtages, die sich mit Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement befassen wird. Dazu werden die Jugendlichen dem Abgeordneten noch eine Liste mit Themen aus der ehrenamtlichen Jugendarbeit zukommen lassen, auf der beispielsweise unnötige bürokratische Hürden benannt sind.
Brandy dankte den Verantwortlichen in der Jugendarbeit: „Sie haben in der Corona-Zeit bisher umsichtig und verantwortlich gehandelt. Ich ermutige Sie daher ausdrücklich, auch die kommende Zeit mit gesundem Menschenverstand und Gottvertrauen anzugehen.“

Farbenpracht

Am Wochenende hatte ich ein Seminar mit Kirchenvorsteherinnen.
Eine von ihnen hatte eindeutig indische Vorfahren. Aber sie war eine waschechte Hannoveranerin.

Gestern fuhr ich mit dem Zug nach Nürnberg.

Der Mann vor mir sprach russisch, der Mann hinter mir spanisch. Schräg vor mir saß eine junge Mutter aus Syrien mit ihrem Sohn.

Auf dem Weg zu meinem Treffpunkt kam ich an zwei türkischen Läden vorbei sowie einem vietnamesischen Restaurant.

Pech gehabt, ihr AFDler und Konsorten.
Eure Wunschträume sind längst von der Realität aussortiert worden.

Deutschland ist bunt.

Bankrott

Ich weiß gar nicht, ob Ihr das Wort alle noch kennt. Bankrott bedeutet pleite, zahlungsunfähig, insolvent, ruiniert, ohne Piepen, mausearm.
Der Begriff stammt aus dem Italienischen: banca rotta = zerschlagener Tisch.
In der Renaissance haben die Geldwechsler in Italien ihre Dienste auf Tischen angeboten. Ging einem das Geld aus, wurde sein Tisch zerstört.

Vergangene Woche wurde der ethische Tisch der Europäischen Union zerstört.

Auf Lesbos ist das größte Flüchtlingslager Europas abgebrannt. Die Krokodilstränen waren groß, die Hilfsangebote sind erbärmlich.

Das reiche Europa sieht sich nicht in der Lage, 12000 Menschen eine Zukunft zu bieten.
Das demokratische Europa tut nichts, um die Opposition in Weißrussland zu unterstützen und den abgehalfterten Diktator Lukaschenko unter Druck zu setzen.
Das humane Europa duldet Autokraten wie Victor Orban aus Ungarn oder Jarosław  Kaczyński aus Polen in ihren Reihen, nicht zu sprechen von korrupten Staaten wie z.B. Bulgarien.
Das ökologische Europa ergeht sich in wolkigen Verbesserungsphantasien und verschiebt seine Ziele in eine unbestimmte Zukunft.

Die Flüchtlinge aus Moria werden nun gezwungen, in ein Zeltlager zu ziehen.
Die Zelte haben keinen Boden.
In wenigen Wochen beginnt die Regenzeit.
Sie werden sie dann in Pfützen liegen.
Menschen, zusammengedrängt auf wenig Raum. Und das in Corona-Zeiten!
Menschen, deren Makel darin besteht, dass es sie gibt.

 E.U.?
Einfach. Unerträglich!

Talente

Der Spruch war als Scherz gedacht:  „Ich dachte, du kannst nichts, aber du kannst ja gar nichts!“ Mein Kumpel lachte, weil mir gerade eine Schale Pommes aus der Hand gerutscht und auf die Erde geknallt war. Ich musste auch lachen. War ja auch zu blöd.
Und doch ging mir dieser Satz eine ganze Weile nach. Ich merke, das piekt richtig, diese Vorstellung, dass mich jemand für völlig unfähig halten könnte.
Natürlich weiß ich, dass ein solches Urteil schlicht falsch wäre, und doch frage ich mich: was kann ich eigentlich? Was kann ich gut? Was geht mir nicht so gut von der Hand? Welches Talent hat mir Gott in den Schoß gelegt, aber noch viel wichtiger: Weiß ich selbst davon und nutze ich dieses Talent?

Im Lukasevangelium lesen wir im 12. Kapitel:  „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“
Klingt nach noch mehr Druck, aber Druck von wem?
Am ehesten von mir selbst. Weil ich gut sein will in so vielen Dingen. Ich möchte mithalten können. Möchte gerne, dass mich alle mögen und viel von mir halten.
Davon redet die Bibel hier aber nicht. Es geht vielmehr um die Freude am Leben und Dankbarkeit für das, was uns in aller Begrenztheit ausmacht und einmalig sein lässt: Die Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden. Gutes zu tun. Verzeihen üben. Freundlichkeit erweisen. Gottes Wirken in unserem Leben sichtbar werden zu lassen. Seine Hände sein, die anpacken. Sein Ohr sein, dass zuhört. Über sich selbst auch mal lachen können. Fehlerfreundlich sein.
Das sind Talente, die wir großzügig vermehren sollten in dieser Welt. Nicht allein. Mit Gottes Hilfe, der uns zuzwinkert:

Ich dachte du kannst was, aber du kannst ja alles!

Klaas Grensemann, Kloster Bursfelde