Wiederholungen

Neuanfänge sind aufregend. Wiederholungen können es auch sein. Denn sie sind mehr als eine Wiederkehr des Bekannten.
Ich lerne, indem ich Dinge wiederhole: Handgriffe, Vokabeln, Gedankengänge. Ein anderes Wort dafür wäre Übung.
Oder Handwerk.
Stell dir vor, dein Glaube ist ein Handwerk. Also nicht etwas, das dir einfach in den Schoß fällt, sondern mit Arbeit verbunden.
Wiederholung wird zu Erfahrung; Erfahrung zu Wissen. Das Handwerk des Glaubens ist eine lebenslange Schule, die sich immer wieder an den gleichen Handgriffen versucht.
Und dabei ereignet sich etwas: Das Wiederholte verändert sich; es wird zu einer Vertiefung.
Wenn ich hundertmal dieselbe Tonfolge auf dem Klavier anschlage, verwandelt sich mein Geklimper irgendwann in eine Melodie.
Wenn ich hundertmal das Vaterunser bete…
Wie oft in  meinem Leben habe ich es mir bislang vorgesagt? Fast immer habe ich beim Sprechen dieser wenigen schlichten Worte das Gefühl, die Furche des Gebets tiefer zu ziehen und seiner Botschaft ein Stück näher zu kommen.

Unser Glaube lebt von Wiederholungen. In ihnen bilden wir die Unendlichkeit ab, wir Handwerker*innen Gottes.

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