Maskenüberraschungen

Jetzt sind die Fans des Aluhuts ja auch durch Hannover gestiefelt und haben gegen das Maskentragen protestiert. Laut neuesten Untersuchungen hat es keinen Sinn, diesen Leuten mit Fakten zu kommen. Das verfestigt nur ihre Ansicht („Dieser Ball ist eindeutig rund.“ „Unsinn, ich traue dem nicht. Ich fühle, er ist eckig.“). Also soll man ihnen Auslauf gewähren und ansonsten wie rohe Eier behandeln. Mehr geht nicht.

Allen anderen, die ihr Hirn noch tatsächlich jeden Tag in Betrieb nehmen, möchte ich erzählen, warum es absolut sinnvoll ist, eine Maske zu tragen.

Das Kabel unserer Telefonbuchse war aus der Verankerung gerissen (ja, wir besitzen noch einen Festanschluss). So ging ich also zur Telekom, um mir ein Neues zu besorgen. Mit Maske natürlich.

Der Laden war ziemlich klein. Gerade für 2 Personen zugänglich, die jeweils am Eingang abgeholt wurden.
Ich wartete eine ganze Weile, ehe mich ein Mitarbeiter nach drinnen lotste. Vielleicht lag es daran, dass er kein Telegnom war, sondern ein ausgewachsener Riese, der aus schwindelerregender Höhe auf mich herabschaute. Vielleicht lag es aber auch an meiner Maskierung, was dann folgte.

Ich packte das Kabel aus, legte es auf den Tresen und sagte, dass ich Ersatz brauchte.
„Oh, das haben wir nicht,“ meinte der Telekom-Rübezahl, „da musst du zu Conrad gehen.“

Du! Anscheinend schien er einer von denen zu sein, die der Duzomanie erlegen waren. Es kam mir komisch vor, aber ich sagte nichts.
„Gib mir noch mal das Kabel. Ich gucke mal, ob wir so was doch irgendwo auf Lager haben.“
Er tippte etwas in seinen Laptop. „Wie ist denn die Rufnummer?…Und die Adresse?“
Ich nannte ihm alles. Seine Stirn legte sich in tiefe Falten. „Hm, ich sehe gerade, euer TV läuft nicht über uns.“ „Stimmt!“ sagte ich. „Da können wir gleich einen neuen Vertrag aufsetzen. Ist auch viel günstiger als bei der Konkurrenz“ schlug er vor.
Ich schwieg.
Der Telekom-Rübezahl sah mich an. „Das ist doch die Wohnung deiner Eltern, nicht wahr?“ 

Mir verschlug es die Sprache.

Ich hatte zwar eine Maske, die fast zwei Drittel meiner Visage bedeckte. Aber die Stirn glich immer noch einer Nachbildung des Grand Canyons, und meine Haarpracht war weiß wie eh und je. Was hatte Rübezahl geraucht?

„Die Wohnung gehört doch deinen Eltern, oder?“ Ein Augenpaar, schwarz wie Kohle durchbohrte mich. „Ja, genau,“ nickte ich.
Dann brauchst du dir nur eine Vollmacht geben zu lassen und wir machen hier alles klar, ok?“  „In Ordnung, sagte ich, „aber vorher muss ich das alles mit meinen Eltern besprechen.“
Damit ließ ich ihn stehen, wobei ich aufpassen musste, nicht vor Lachen schon am Tresen zusammenzubrechen. Ich schaffte es gerade noch nach draußen.

Leute, tragt Maske, wollt Ihr 45 Jahre jünger sein!
Vielleicht könnt Ihr Euch im Restaurant den Kinderteller bestellen oder dürft auf dem Spielplatz auf die Rutsche.

Forever young

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