„InsSpiriert“

Hannovers Jugendkirche wird neuer Co-Working Space

In der Jugendkirche in Hannover gibt es einen neuen Co-Working Space. An zwei Tagen in der Woche werden Stromkabel verlegt und Möbel bereitgestellt, damit sich die Besucher in der Kirche einen Arbeitsplatz einrichten können. „InsSpiriert“ nennt das Team rund um Daniela Klockgether ihr Angebot. „Wir wollen, dass die Menschen zu uns kommen und inspiriert wieder gehen“, sagt die Diakonin. Von ihr stammt die ursprüngliche Idee. „Ich finde es sinnvoll, den Raum zu nutzen, wenn er gerade nicht gebraucht wird.“ Mittlerweile gibt es neben der Diakonin ein 9-köpfiges Team aus Jugendlichen, die sich ehrenamtlich um den Co-Working Space kümmern.

Die 21jährige Vivian Vollmann Tinoco unterstützt den neuen Co-Working Space. Bild: Regula Jantos

„Wir wollen einen Raum schaffen für Menschen, denen es im Homeoffice zu einsam wird. Hier finden sie Austausch mit anderen“, erklärt Vivian Vollmann Tinoco aus dem Co-Working Team. Auch bei Studenten wächst der Bedarf an Arbeitsraum mit frei zugänglichem Wlan, seit die Universitäts-Bibliotheken ihr Angebot coronabedingt eingeschränkt haben. Doch der Raum sei nicht nur offen für Menschen, die am Computer arbeiten, betont Vollmann Tinoco. Jeder, der mit maximal einer Tischbreite auskommt, sei willkommen. Für Gruppen bis zu sechs Personen gibt es zwei separate Räume. Im Pausenbereich stehen Kaffee und Getränke gegen eine Spende bereit. Das Mobiliar können sich die Besucher selber zusammenstellen, es gibt Tische, Stühle und Hocker. Seinen Platz wählt jeder frei im Kirchenraum. Wer eine Pause braucht, kann sich mit einem Sitzsack hinter einen Vorhang zurückziehen. „Beim ersten Videocall war es schon merkwürdig mit den Buntglasfenstern im Hintergrund“, berichtet Vollmann Tinoco. Mittlerweile fühlt sich die PR-Studentin aus Hannover in der Jugendkirche wie zuhause. Ein Plus sieht die 21jährige darin, dass jetzt auch Menschen hereinkommen, die mit Kirche Berührungsängste haben oder mit Religion nicht viel anfangen können. „Die Jugendkirche war vorher schon gut im Stadtteil integriert. Jetzt bietet sich die Möglichkeit, den sakralen Raum weiter zu öffnen und zusätzlich urbane Bedürfnisse zu erfüllen.“

Das Co-Working Angebot ist kostenfrei. Wer möchte, kann einen freiwilligen Beitrag zum Wlan leisten. Dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr ist die Kirche als gemeinschaftlicher Arbeitsplatz geöffnet. Und es gibt bereits Pläne für Erweiterungen: „Wir denken über verschiedene Afterwork-Angebote nach“, verrät Vivian Vollmann Tinoco. „Nach der Arbeit noch gemeinsam zusammensitzen, quatschen, sich austauschen – das würde sicher gut ankommen.“ Zurzeit gibt es bereits an jedem ersten Dienstag im Monat einen Afterwork-Gottesdienst.

Mehr Infos: InsSpiriert

Nicht mit zweierlei Maß messen

Torben Salm beim Hearing der Initiative niedersächsischer Ethikrat zur Situation junger Menschen

Sie wollen die ethische Seite der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Maßnahmen beleuchten: die Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE). Außerdem wollen sie Sprachrohr für diejenigen in der Gesellschaft sein, die von der Politik oft nicht gehört werden. Eine der ersten Gruppen, die die INE in den Blick genommen haben, ist die der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In verschiedenen Anhörungen haben die Mitglieder der Initiative mit Menschen aus Schule, Jugend- und Sozialverbänden gesprochen. Sie wollten wissen, was die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen für Jugendliche bedeuten. Torben Salm, stellverstretender Vorsitzender der Evangelischen Jugend in der hannoverschen Landeskirche, hat an einem Hearing teilgenommen.

Frage: Mitte September veranstaltete die Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE) mehrere Anhörungen mit Protagonisten aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Warum hat die INE Deiner Meinung nach die Evangelische Jugend dazu eingeladen?
In der Vergangenheit hat sich die Evangelische Jugend oft in Kirche und Gesellschaft engagiert. Dadurch haben wir Aufmerksamkeit gewonnen. Das jugendpolitische Netzwerk, an dem wir kontinuierlich arbeiten, spielt uns ebenfalls in die Karten. Ich denke auch, dass junge Menschen in unserer Gesellschaft oft unterrepräsentiert sind und der Ethikrat sich somit folgerichtig dafür entschieden hat, diese nun besonders anzuhören. Stephan Schaede, Mitglied des Ethikrats und Direktor der Evangelischen Akademie Loccum, hat an uns gedacht und uns dann eingeladen.

Frage: Welches sind die wichtigsten Punkte, die der Jugendverband Evangelische Jugend in die Diskussion um die Corona-Maßnahmen einbringt?
Junge Menschen sind mehr als Schüler*innen. Es ging bei den Maßnahmen und den dazugehörigen Diskussionen oft nur um diese eine Rolle. Das empfinde ich als zutiefst ungerecht. Sie verlieren unwiederbringliche Momente in ihren Leben, die man nicht an späterer Stelle nachholen kann. Darüber wird in der öffentlichen Diskussion kaum gesprochen.
Nach dem Lockdown wurden schrittweise die Dinge wieder möglich, die wirtschaftlich umfangreicher sind. Beispielsweise konnten kommerzielle Reiseanbieter wieder Fahrten anbieten, Wochen bevor das in der Jugendarbeit überhaupt möglich war. Noch dazu mangelte es bei denen oft an Hygienekonzepten und Vernunft. Und das war möglich, weil die Reiseanbieter eine finanziell gut aufgestockte Lobby besitzen. Aber: Systemrelevanz kann man nicht mit Wirtschaftsbilanz gleichsetzen.

Frage: Für zukünftige landespolitische Planungen rund um Corona: Was würdest Du Dir wünschen, was stärker beachtet werden soll?
Dass menschliche Freiheiten zum Wohle aller eingeschränkt werden, ist natürlich verantwortbar. Doch man sollte hier nicht mit zweierlei Maß messen. Ganz gleich ob Chor, Jugendgruppe, Fußballmannschaft oder Frauenkreis – die Ansteckungsgefahr und die daraus resultierenden Abstands- und Hygieneregeln müssen für alle gleich gelten. Wo mehrere Maßstäbe jedoch dringend erforderlich sind, ist bei der Förderung von Einzelnen in der Gesellschaft. Bei finanziellen Unterstützungen fallen viele Menschen oft durchs System. Viele Schüler*innen aus benachteiligten Haushalten brauchen dringend kostenfreie Möglichkeiten Lerninhalte nachzuholen, da vielen keine Geräte für die Onlinelehre zur Verfügung gestanden haben. Zudem sollten unterschiedliche Experten vor Einführung neuer Maßnahmen auf möglicherweise auftretende Sondereffekte befragt werden, hier gab es in den letzten Monaten klare Versäumnisse.

Insgesamt zum Prozess kann ich sagen: Die Initiative Niedersächsischer Ethikrat halte ich für ein wichtiges Gremium in der Krisenbewältigung und ich bin froh über die erfolgte und die noch folgende Zusammenarbeit.

Die Initiative Niedersächsischer Ethikrat setzt sich aus Wissenschaftler*innen, Ärzt*innen und Vertreter*innen aus Kirche, Diakonie und Caritas zusammen. Gründungsmitglied ist unter anderem Landesbischof Ralf Meister. Die Initiative wurde Mitte des Jahres gegründet, um politische Entscheidungen bezogen auf die Corona-Pandemie sozialethisch zu hinterfragen und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Dabei konzentrieren sich die Mitglieder vor allem auf das Land Niedersachsen.
Die Stellungnahme der INE zu Perspektiven junger Menschen in der Corona-Krise gibt es hier: Download

Jugendarbeit in Corona-Zeiten

Sprengel-Jugendkonvent diskutiert mit Eike Holsten und Hans Christian Brandy

Bild: Michael Hinrichs

Über die Lage der Jugendarbeit in Corona-Zeiten diskutierten am vergangenen Freitag die Mitglieder des Sprengel-Jugendkonventes Stade mit dem Landtagsabgeordneten Eike Holsten (Rotenburg/Wümme) sowie Regionalbischof Dr. Hans Christian Brandy. Unter Leitung von Rike Schröder (Osterholz-Scharmbeck) tauschten sich die Jugenddelegierten zusammen mit den Hauptamtlichen des Sprengeljugenddienstes über die Erfahrungen des Corona-Sommers 2020 aus.

„Wir mussten leider die Sommerfreizeiten absagen“, so Rike Schröder, „dafür gab es aber zahlreiche kleinere Formate vor Ort, die auch gut angenommen wurden.“ Erprobt werde derzeit, die Ausbildung jugendlicher Mitarbeitender in einem Hybrid-System neben Präsenzveranstaltungen auch online durchzuführen.

Für das Gespräch über die Lage der Jugendarbeit hatten die Jugendlichen einen Fragekatalog vorbereitet, zu dem Eike Holsten und Hans Christian Brandy Stellung nahmen. Dabei ging es neben der Unterstützung und Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit von Jugendlichen, auch um die finanzielle Förderung der Jugendarbeit und um den Klimaschutz. Regionalbischof Brandy benannte eine Reihe von Maßnahmen der Landeskirche zum Klimaschutz, ermutigte die Jugendlichen aber auch, weiter klare Erwartungen an die Kirche zu richten.

Eike Holsten kündigte an, wichtige Fragen an die niedersächsische Politik mitzunehmen in eine soeben eingesetzte Enquetekommission des Landtages, die sich mit Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement befassen wird. Dazu werden die Jugendlichen dem Abgeordneten noch eine Liste mit Themen aus der ehrenamtlichen Jugendarbeit zukommen lassen, auf der beispielsweise unnötige bürokratische Hürden benannt sind.
Brandy dankte den Verantwortlichen in der Jugendarbeit: „Sie haben in der Corona-Zeit bisher umsichtig und verantwortlich gehandelt. Ich ermutige Sie daher ausdrücklich, auch die kommende Zeit mit gesundem Menschenverstand und Gottvertrauen anzugehen.“

Ernüchternd!

Ein Gespräch mit zwei Landtagsabgeordneten zur Kampagne wir sind #zukunftsrelevant
– von Lara Meyer aus dem Kirchenkreis Gifhorn –

Am Freitag, den 3. Juli, haben unser Kirchenkreisjugendwart, Andreas Schulze-Mauk, unser aktueller FSJler Nikolas und ich, als Vertretende der Evangelischen Jugend, im Kirchenkreis Gifhorn uns gemeinsam mit Jonathan, als Vertreter der Pfadfinder Ata Ulf vom BdP, und Vorstandsmitglied des KKJK, und zwei Vertreter*innen der queeren Wespen mit zwei Landtagsabgeordneten aus den beiden Wahlkreisen unseres Kirchenkreises getroffen.

Das Gespräch mit Philipp Raulfs (30) und Tobias Heilmann (44), beide von der SPD, dauerte ungefähr eine Stunde. Es war geprägt von der Frage, warum die kommerziellen Anbieter*innen sich mit einer höheren Teilnehmendenzahl als die Jugendverbände treffen und Freizeiten veranstalten dürfen.

Unterschiede sind schwer zu verstehen

Die erste Reaktion war die Feststellung, dass es den Landespolitiker*innen selbst nicht leicht fällt diese Unterschiede in der Verordnung zu verstehen und sie diese erst recht nicht begründen könnten. Aber sie seien froh über das vorsichtige Vorgehen bei den Lockerungen in Niedersachsen, was sich ja in den Infektionszahlen widerspiegle. Eine klare Stellungnahme, ob sie diese unterschiedliche Behandlung für unangebracht halten, gab es nicht, nur die Versicherung, dass sie uns verstehen.

Das ist ernüchternd! Uns wurde die Frage gestellt, ob es denn überhaupt Menschen in den Jugendverbänden gibt, die es sich zutrauen würden das Risiko einzugehen, Veranstaltungen mit mehr als zehn bzw. 16 Personen durchzuführen. Wir haben den Rat erhalten, ein Hygienekonzept über die Abgeordneten an das Sozialministerium weiterreichen zu lassen. Darin soll die Durchführung einer Veranstaltung in der gewünschten Gruppengröße beschrieben werden. Wäre das einwandfrei, hätte das Sozialministerium keinen Grund es abzulehnen bzw. die Verordnung nicht dementsprechend anzupassen.

Auf die Feststellung, dass auch Kontaktsportarten mit 30 Teilnehmenden wieder zugelassen sind, folgte der Kommentar, unterschiedliche Zahlen gegeneinander aufzuwiegen, bringe einen nicht weiter. Es kam zudem der Vorschlag, die Vereinbarung des Landes Niedersachsen mit der Landeskirche – „Niedersachsen hält zusammen“ – als „Schlupfloch“ zu nutzen: Hier sollen Studierende in den Räumlichkeiten der Kirche Schüler*innen den verpassten Unterrichtsstoffes vermitteln. Nach dem Wissen der Abgeordneten gebe es keine Begrenzung in der Anzahl der Teilnehmenden.

Wir werden nicht verstanden

Das hat mir leider das Gefühl gegeben, dass sie unser Anliegen, dann doch nicht verstanden haben. Positiv war die Feststellung, dass die Jugendbildungsstätten unter einen Rettungsschirm gekommen seien. Dann folgte die Belehrung, dass es nach der Corona-Krise zu drastischen Einsparungen wird kommen müssen. Wir wurden auf die Kompetenz des Kreistags hingewiesen, regionale Regelungen zu treffen. Gerade nach den Sommerferien könnte deren Bedeutung noch einmal steigen. Und schon waren wir bei der Werbeeinheit für die Kommunalwahlen: Wir sollten uns doch aufstellen lassen.

Endlich haben wir die Worte gefunden, mit denen wie die beiden Abgeordneten in meinen Augen am meisten beeindrucken konnten:

Es erschüttert unser Demokratieverständnis, wenn Jugendverbänden, die politische Bildung betreiben und sich die Vermittlung eines positiven Demokratieverständnisses zum Auftrag gemacht haben, von der Politik zu der sie immer den Kontakt suchen und bei der sie für sich ein Bewusstsein zu schaffen versuchen, so vergessen, benachteilig und gehindert werden in ihrer Arbeit und die kommerziellen Anbieter bevorzugt werden.

Sommerprojekte

Vieles ist diesen Sommer möglich! Denn Ihr wart unglaublich kreativ und flexibel und habt tolle Angebote für die Ferienzeit entwickelt. Schaut einfach mal rein: Sommerprojekte für Kinder und Jugendliche in der hannoverschen Landeskirche.

Flottengottesdienst

Eigentlich wollte die Evangelische Jugend Wesermünde einen großen Open-Air-Jubiläumsgottesdienst feiern, doch Corona machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Dann eben online…

Sacharja und die Murmeln – Spielandacht für Kinder

In der Andacht geht es um den Propheten Sacharja, der mit seinem Volk im Exil ist. Alle sind verunsichert und auch die Kinder fragen: „Was darf man hier eigentlich und wann wird unser Leben wieder normal?“ Neben der Bibelgeschichte gibt es in dem Andachtsentwurf einen interaktiven Part, in dem Murmelstationen aus Naturmaterialien gebaut werden. das funktioniert auch in Corona-Zeiten mit dem notwendigen Abstand.

Die gesamte Geschichte auf youtube erzählt:

Link zu einem Video „So funktioniert Murmelgolf

Rede an Norwegens Jugend

Minister für Gesundheit und Pflege sagt Danke.
Eine motivierende Rede für alle, die die Situation von Kindern und Jugendlichen in diesen Zeiten ernstnehmen.

„Niemand soll Dich wegen Deiner Jugend gering schätzen“

„Niemand soll Dich wegen Deiner Jugend gering schätzen“, so schreibt Paulus an Timotheus im neuen Testament.
Generationenkonflikte scheinen zum Menschsein dazu zu gehören. „Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft,“ so schrieb schon Sokrates.
Soweit also alles normal, wenn die Interessenlagen unterschiedlicher Generationen aufeinandertreffen. Aber was wir im Moment erleben ist beispiellos in der Geschichte. Kinder- und Jugendliche, die „junge Generation“ verzichtet zugunsten und aus Liebe zu der Generation ihrer Eltern und Großeltern auf ihre Freiheit.

In einer so wichtigen Lebensphase fällt so mancher 18. Geburtstag ins Wasser, Abibälle fallen aus, Sportaktivitäten sind kaum mehr möglich, Konfirmationen verschoben. Wenn ich mich selber an diese Zeit zurückerinnere, war jeder Tag meiner Jugend für meine persönliche Entwicklung ungeheuer wichtig. 2 Monate waren eine Ewigkeit. 8 Wochen Lockdown haben die Jugendlichen weitestgehend ohne Protest dagegen hingenommen. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung.

Und jetzt? Wir fahren unsere gesellschaftlichen Aktivitäten, vielleicht sogar zu schnell, wieder hoch. Die Kriterien dafür machen deutlich, Kinder- und Jugendliche bekommen ihre Freiheiten nur dann zurück, wenn es um eine gesellschaftliche oder volkswirtschaftliche Verwertbarkeit geht. Die Perspektive richtet sich nicht an ihren sozialen Bedürfnissen aus, sondern an der Frage, wie ihre gesellschaftliche Nützlichkeit möglichst aufrecht erhalten werden kann. Wie erklären wir unseren Kindern, dass Gottesdienste wieder stattfinden, die Jugendgruppe aber verboten bleibt. Die Bundesligaclubs spielen weiter, die Saison der Kids aber wird abgebrochen. Wo öffnen wir den Kindern und Jugendlichen wieder – mit dem gebotenen Abstand – Räume, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. In Jugendtreffs, an Lagerfeuern, am See, in Sportvereinen und in Skateparks, …

Wir sollten über die Verhältnismäßigkeit der möglichen Lockerungen besser nachdenken.

Dabei stelle ich die Grundsätzlichkeit der getroffenen Entscheidungen nicht in Frage. Diese Pandemie ist eine außergewöhnliche Lage und bedarf natürlich auch außergewöhnlichen Gegenmaßnahmen. Die an wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichteten Quarantäneeinschränkungen sollten wir nicht, wie es so einige Verschwörungstheorethiker im Moment tun, in Frage stellen.

Diese sinnvolle Ausrichtung an wissenschaftlichen Erkenntnissen macht aber ein weitere Dissonanz zwischen den Generationen hörbar. Wenn wir unsere Wirtschaft wieder hochfahren, dann müssen wir auch beim Klimaschutz den wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen. Sonst könnte es sein, dass wir ein weiteres Mal die Bedürfnisse der jungen Generation auf dem Altar des Kapitalismus opfern.

Ich vertraue da auf die Zusage Gottes unserer menschlichen Fehlbarkeit zum Trotz: „Ich will gedenken an meinen Bund, den ich mit dir geschlossen habe zur Zeit deiner Jugend, und will mit dir einen ewigen Bund aufrichten“. (Hesekiel 16,60)
Amen

Michael Hinrichs, Evangelische Jugend Wesermünde

Respekt und ein Eis in der Waffel

Ich habe mich gut vorbereitet. Schon vor Wochen hatte ich in einem sozialen Projekt in Hannover Masken bestellt, deren Preis kostenlose Masken für andere mitfinanziert. Pünktlich vor der Maskenpflicht kam der dicke Brief.

Am Tag 2 der Maskenpflicht will ich morgens los. Erst noch etwas in der Stadt besorgen und dann ins Büro. Alles ist ungewohnt nach so viel Zeit des #stayathome.
Der Aufbruch morgens gerät etwas holperig. Prompt habe ich sie vergessen, meine Stoffmaske. Und nun? Ich steuere die nächste Apotheke an und kaufe mir eine Maske mit Filter. Ziemlich teuer. Aber so ausgestattet komme ich in die geplanten Geschäfte und durch den Tag. Gegen Abend scheint die Sonne so schön, dass ich nicht gleich in die U-Bahn steige, sondern beschließe, zu Fuß durch die Stadt zum Bahnhof zu gehen. Die Maske ist in meiner Tasche. Ich bin ja draußen unterwegs.

Die Eisdielen haben geöffnet. Soll ich oder soll ich nicht? Ich schaffe es noch, an der ersten vorbei zu gehen – die Schlange ist mir zu lang. Aber vor dem Bahnhof ist es so weit: Jetzt eine Kugel vom Lieblingseis. Als ich es in der Hand halte realisiere ich mein mitgekauftes Problem: Wie ich ja weiß, muss ich vom Stand weggehen, um das Eis zu essen. Ein großes Schild weist mich darauf hin.

Ich gehe los. In Richtung U-Bahnstation Hauptbahnhof. Mit dem Eis in der Hand durch den Bahnhof. Und nun? Es war mir noch nie so unangenehm, ein Eis zu essen. Um mich herum Menschen mit Masken im Gesicht. Ich esse mein Eis. Strecke die Zunge raus und lecke das köstlich süße kalte Sahnegemisch. Aber: Darf ich das eigentlich? Mir wird immer klarer, dass das eigentlich so nicht geht. Was symbolisiert das, was ich da gerade tue in diesen Zeiten? Immer unsicherer gehe ich zu U-Bahnstation. Schon tut sich die nächste Frage auf: Ob ich es schaffen werde, das Eis zu essen, bis die U-Bahn kommt? Das ist ja schon lange nicht erwünscht bzw. verboten: Eis essen in den Zügen der U-Bahn. Unten angekommen sehe ich eine andere Person, die in ihr Schnell-Mittag oder -Abendessen beißt und atme leicht auf. Ich bin nicht die Einzige. Früher war das ganz normal. Wie oft, habe auch ich schon den aufgestauten Hunger unterwegs in U-Bahn oder Zug gestillt und etwas getrunken oder gegessen! So richtig gut angefühlt hat sich das selten. Mit Maske geht das nicht. Mir wird klar: Ohne eigentlich auch nicht: Es fühlt sich nicht gut an.

Und ehrlich: Es hat auch mich schon richtig genervt, wenn es irgendwo im Bus, im Zug oder in der U-Bahn penetrant nach so einem Schnell-Futter gerochen hat. Mal ganz zu schweigen von klebenden Fußböden und anderen Spuren zuckerhaltiger Getränke, stinkenden Bierdosen, Krümeln, Essensresten und allem dazugehörige Müll. Nervt irgendwie. Jetzt weiß ich, was mich daran stört: Es hat etwas Respektloses vor den Mitreisenden. Die Grenzen des Innen und Außen verwischen. Essen hat auch etwas Intimes. Ist es gut, dass andere mir beim Essen zugucken müssen? Gehört das überall in den öffentlichen Raum und in die Bahn?

Maskenpflicht im ÖPNV – und ja, auch im Bahnhof  – ist ein sinnvolles Lehrstück für Respekt. Vor mir selbst und anderen. In Zukunft nehme ich mir die Zeit und suche mir einen guten Ort zum Essen. Was ich zukünftig auf Reisen esse und trinke, werde ich mir nochmal genau überlegen. Das noch fremde Tragen von Masken kann uns einiges lehren: Unter anderem Respekt vor anderen und vor mir selbst.

Cornelia Dassler, Landesjugendpastorin